
[23.06.2026]
Ortenau. Wie gut werden die neuen Klinikstandorte im Ortenaukreis für ältere Menschen erreichbar sein? Wie barrierefrei werden die Neubauten? Und wie soll künftig die Versorgung funktionieren, wenn bisherige Standorte geschlossen werden? Mit diesen Fragen hat sich der Kreisseniorenrat Ortenau erneut in die Diskussion um die Klinikagenda 2030 eingebracht.
Es war bereits die dritte Sitzung dieser Art. Schon 2020 hatte der Kreisseniorenrat begonnen, die Planungen zur Klinikagenda 2030 kritisch zu begleiten. Im dreijährigen Turnus wollen die Mitglieder des Gremiums die Interessen älterer Bürger einbringen – möglichst frühzeitig, also bereits in der Planungs- und Bauphase.
Zur aktuellen Sitzung hatte der Kreisseniorenrat die kaufmännische Vorständin des Ortenau Klinikums, Claudia Bauer-Rabe, eingeladen. Gemeinsam mit ihr diskutierte das Gremium den Stand der Klinikagenda 2030. Ebenfalls anwesend waren die Behindertenbeauftragte des Ortenaukreises, Anita Diebold, sowie die Sachgebietsleiterin ÖPNV, Ingrid Noé.
Im Mittelpunkt standen vor allem zwei Themen: Barrierefreiheit und Erreichbarkeit. Beide Punkte sind aus Sicht des Kreisseniorenrates entscheidend, weil die neuen Klinikstandorte nicht an das Schienennetz der DB angebunden sind. Hinzu kommt: Durch die Schließung der Kliniken Ettenheim, Oberkirch und Kehl, letztere eventuell im Jahr 2027, werden die Wege zu den Kliniken für viele Menschen länger.
„Hier sind wir auf ein gut getaktetes ÖPNV-Netz angewiesen“, so der Vorsitzende des Kreisseniorenrates, Gerd Baumer aus Kehl. Für die Zukunft wurden extra Klinikbusse mit kurzer Taktung in Aussicht gestellt.
Claudia Bauer-Rabe stellte in der Sitzung die Klinikagenda 2030 als eines der zukunftsweisenden Leuchtturmprojekte im Ortenaukreis vor. Der Klinikverbund soll von neun auf vier Standorte reduziert werden – ein Vorhaben, das nach ihren Angaben bundesweit Beachtung findet.
Die Dimension des Projekts ist erheblich: Die Gesamtinvestitionen belaufen sich auf über 1,1 Milliarden Euro. Die Bettenzahl wird von 1715 Betten auf 1358 Betten reduziert. Die Förderquote der bisherigen Anträge liegt aktuell bei 60 – 70 Prozent.
Mit 6.400 Beschäftigten gehört der Klinikverbund zu den großen Arbeitgebern im Ortenaukreis. Auch für die medizinische Versorgung bleibt er zentral: Jährlich werden 64.800 stationäre Patienten, 12.200 ambulante Operationen und ca. 194.000 ambulante Behandlungen gezählt.
Der Neubau in Achern, der der Grundversorgung dienen soll, soll Ende 2027 fertig sein. Der Neubau am Holderstock in Offenburg, vorgesehen für die Maximalversorgung, ist für 2030 geplant. Das neue Klinikum in Lahr, das als Standort der Schwerpunktversorgung vorgesehen ist und in die Landesförderung aufgenommen wurde, soll voraussichtlich 2032 fertig gestellt sein.
Parallel dazu wurden bereits Zentren für Gesundheit in Gengenbach, Oberkirch und Ettenheim aufgebaut. Nach der geplanten Klinikschließung in Kehl 2027 soll auch dort ein solches Zentrum für Gesundheit entstehen. Als möglicher Maßstab könnte dabei Gengenbach dienen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Sitzung war die Digitalisierung. Die elektronische Patientenakte, die digitale Patientenaufnahme und das Entlassmanagement sollen noch im Jahresverlauf eingeführt werden. Auch beim baulichen Konzept der neuen Kliniken wurden Details genannt: Statt klassischer Klimatisierung sollen Sonnenschutzglas und Betonkernkühlung eingesetzt werden.
Der Kreisseniorenrat sprach zudem das schwierige Thema Notaufnahme an. Gerade dort erleben viele Patienten lange Wartezeiten und Unsicherheit. Claudia Bauer-Rabe kündigte Verbesserungen bei der Transparenz der Wartezeiten nach Dringlichkeit bei der Aufnahme an. Damit soll eine besonders sensible Stelle in der Patientenversorgung verbessert werden.




