Am 20. Juni ist Weltflüchtlingstag. Der internationale Gedenktag erinnert an Menschen, die vor Krieg, Verfolgung oder Gewalt ihre Heimat verlassen mussten. Einer, der genau weiß, was Flucht bedeutet, ist Mohammad Baki. Der gebürtige Syrer kam selbst als Jugendlicher nach Deutschland. Heute arbeitet er beim Landratsamt Ortenaukreis als Sozialarbeiter in den Unterkünften der vorläufigen Unterbringung in Achern.

Dort begleitet er geflüchtete Familien durch den Alltag und unterstützt sie dabei, in der neuen Umgebung Fuß zu fassen. Seit vier Jahren ist Baki im Sozialdienst des Migrationsamts tätig. Für die rund 29.000 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit im ländlichen Raum des Ortenaukreises ist das Landratsamt die zuständige Ausländerbehörde.

„Von Anfang an war es mir wichtig, eine Arbeit zu finden, bei der ich nah an Menschen arbeiten kann und die viel Abwechslung bringt“, erzählt der 27-Jährige. Genau diese Mischung aus direkter Hilfe, persönlichem Kontakt und immer neuen Aufgaben mache die Arbeit für ihn besonders.

Baki kennt viele Situationen, in denen sich die Familien befinden, aus eigener Erfahrung. Als er im Alter von 16 Jahren mit seiner Familie aus Syrien nach Deutschland floh, wollte er möglichst schnell ankommen. „Meine Familie und ich wollten keine Zeit verlieren und haben direkt angefangen, Deutsch zu lernen.“ Nach dem Abitur studierte er in Freiburg Soziale Arbeit und schloss das Studium erfolgreich ab.

„Ich möchte geflüchteten Menschen Chancen geben, Teil dieser Gesellschaft zu sein und sie dabei unterstützen, sich selbst zu versorgen.“ Integration bedeutet für ihn nicht nur Beratung, sondern auch Ermutigung: Menschen sollen eigenständig werden, Verantwortung übernehmen und ihren Platz in der Gesellschaft finden können.

Ein besonderes Anliegen ist ihm die ehrenamtliche Hausaufgabenhilfe. Gemeinsam mit Kollegen warb er an einem örtlichen Gymnasium um freiwillige Helfer. Inzwischen unterstützen diese regelmäßig Kinder aus geflüchteten Familien bei den Hausaufgaben. Für Baki ist das ein wichtiges Zeichen. „Das ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingshilfe ist insgesamt zurückgegangen. Umso mehr freut es mich, dass dieses Projekt so erfolgreich läuft“, sagt Baki.

Auch Vorbehalte gegenüber Geflüchteten lassen sich nach seiner Erfahrung oft durch Begegnung abbauen. Aus der Nachbarschaft der Unterkünfte höre er immer wieder, dass die dort lebenden Familien als freundlich und ruhig wahrgenommen werden. Persönlicher Kontakt könne viel verändern, sagt Baki.

Seine eigene Fluchtgeschichte stellt er im Berufsalltag nicht in den Vordergrund. Entscheidend sei vor allem seine fachliche Ausbildung. Dennoch hilft ihm seine Mehrsprachigkeit: Neben Kurdisch spricht er Arabisch, Deutsch, Englisch und ein wenig Spanisch. „So kann ich direkt vermitteln und die Menschen kommen gerne in meine Sprechstunde, weil sie einfach darauf lossprechen können – auf Deutsch oder in ihrer Muttersprache.“

In den elf Jahren seit seiner Ankunft in Deutschland hat Mohammad Baki viel erreicht. Seit 2022 besitzt er die deutsche Staatsangehörigkeit. Beantragt hat er sie damals ausgerechnet im Migrationsamt des Landratsamts Ortenaukreis – dort, wo er heute selbst arbeitet. Darüber muss er schmunzeln.

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