v.l.: Anita Diebold (Behindertenbeauftragte des Ortenaukreises), Stefan Rendler (Blinden- und Sehbehindertenverein Südbaden) und Marcel Schiff (Straßenbauamt Ortenaukreis) an einer mit „LOC.id“ ausgestatteten Ampelanlage an der Bundesstraße 3 in Renchen. Foto: Landratsamt Ortenaukreis

[25.02.2026]
Ortenau. Für Menschen mit Sehbehinderung oder Blindheit gibt es eine heikle Stelle im Alltag: Nicht die Querung selbst ist oft das größte Risiko, sondern der Moment davor – das schnelle, sichere Auffinden der richtigen Ampel und die Orientierung im unmittelbaren Umfeld. Genau hier setzt ein neues Assistenzsystem an, das der Ortenaukreis nun an neun Ampelanlagen in Betrieb genommen hat. Es trägt den Namen „LOC.id“ und soll blinden und sehbehinderten Menschen den Weg zur Ampel sowie die sichere Querung erleichtern – zusätzlich zu bereits vorhandenen taktilen Leitelementen und akustischen Signalen. Ziel: mehr Selbstständigkeit, ohne die Anwohnerschaft durch dauerhaft erhöhte Signal-Lautstärken zu belasten.

„Mit ‚LOC.id‘ helfen wir dort, wo es im Alltag oft hakt: am Auffinden der Ampel und an der sicheren Orientierung im Umfeld.“, sagt Projektleiter Marcel Schiff vom Straßenbauamt des Ortenaukreises.

Technisch setzt „LOC.id“ auf Bluetooth – und nutzt das Smartphone als Sender. Dafür gibt es eine kostenfreie App. „Nähert sich ein Nutzer einer entsprechend ausgerüsteten Ampel, erkennt das System den Sender automatisch und erhöht gezielt die Lautstärke der Orientierungssignale. Das Telefon kann dabei in der Tasche bleiben. Die bekannten akustischen Signale bleiben erhalten; die Grünphase wird weiterhin durch den gewohnten Freigabeton angezeigt. Das System erkennt Sender in einem Umkreis von bis zu einhundert Metern.

Der entscheidende Punkt ist die bedarfsgerechte Regelung: Die Orientierungssignale werden nur dann lauter, wenn tatsächlich eine berechtigte Person in der Nähe ist. Sobald die Situation vorbei ist, sinkt die Lautstärke wieder auf das übliche Maß. Damit soll sich ein klassischer Zielkonflikt entschärfen – bessere Auffindbarkeit für Betroffene, zugleich geringe Geräuschbelastung für Anlieger.

Wie groß der praktische Nutzen sein kann, beschreibt die Behindertenbeauftragte des Ortenaukreises, Anita Diebold, mit einer Beobachtung aus dem Alltag: „Viele Querungen sind nicht das Problem – das Problem ist, die Ampel im richtigen Moment überhaupt zu finden“, sagt sie. „Wenn das Orientierungssignal bei Bedarf gezielt lauter wird, gibt das blinden und sehbehinderten Menschen spürbar mehr Sicherheit und macht Wege ohne Begleitung leichter.“

Auch aus Sicht des Blinden- und Sehbehindertenvereins Südbaden ist das System ein Gewinn. Stefan Rendler verweist auf die unmittelbare Wirkung im Straßenverkehr: „Akustische Signale und fühlbare Orientierung an der Ampel geben uns Sicherheit im Straßenverkehr. Wir finden den Mast besser, können die Querung besser einschätzen und sind seltener auf Hilfe angewiesen.“

Bereits im Jahr 2025 wurden Standorte im Ortenaukreis mit „LOC.id“ ausgestattet, darunter Oberkirch, Offenburg, Renchen, Önsbach, Fautenbach und Achern. Der Ausbau soll weitergehen. Für das Jahr 2026 ist vorgesehen, zusätzliche Ampelanlagen in Achern, Appenweier, Offenburg-Windschläg, Hausach und Wolfach mit dem System auszurüsten.

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