[27.11.2025]
Ortenau. Der Ortenaukreis richtet seinen Katastrophenschutz neu aus. In der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik stellten Landrat Thorsten Erny, Dezernent Reinhard Kirr und Amtsleiterin Stefanie Dörfler ein überarbeitetes Einsatzführungskonzept vor. Ziel ist eine moderne, klare und abgestimmte Einsatzführung bei großen Schadenslagen. „Wir wollen, dass im Ernstfall alle Ebenen schnell, klar und abgestimmt handeln – vom Rathaus vor Ort bis zum Führungsstab im Landratsamt“, erklärte Landrat Erny. Städte und Gemeinden seien schon heute zentral in der Gefahrenabwehr aktiv. Wenn jedoch eine Katastrophe eintritt, übernimmt der Landkreis die Einsatzleitung und koordiniert alle nichtpolizeilichen Kräfte.

Dezernent Kirr machte deutlich, warum ein neues Konzept notwendig war: „Die bisherige Herangehensweise im Ortenaukreis hat sich in der Praxis grundsätzlich bewährt, stammt jedoch aus einer Zeit mit anderer sicherheitspolitischer Lage.“ Heute seien Extreme durch Klimawandel, komplexere Gefahrenlagen und Risiken für digitale Systeme deutlich größer. Die alten Strukturen würden künftigen Anforderungen nicht mehr vollständig gerecht.

Das neue Konzept basiert auf einer umfassenden Risikoanalyse. Es legt fest, wie Führung und Zuständigkeiten auf Landkreisebene organisiert werden, wie die Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden funktioniert und wie Einsatzabschnitte geführt und unterstützt werden. Auch die technische Ausstattung sowie Kommunikations- und Informationswege werden klar definiert.

Amtsleiterin Dörfler präsentierte die zentralen Punkte des Konzepts: neue Strukturen und Begrifflichkeiten, Einsatzabschnitte orientiert an den Bereichen des Kreisbrandmeisters, technische Vorgaben, ein Schulungs- und Übungsplan sowie eine Stabsdienstordnung. Die Schulungen übernimmt der Landkreis.

Erarbeitet wurde das Konzept unter Mitwirkung von Professor Dominic Gißler, Experte für Sicherheitsforschung und Krisenmanagement an der Akkon Hochschule Berlin und Gutachter zur Einsatzführung bei der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021. Erfahrungen aus großen Einsätzen im Ortenaukreis – insbesondere von Kreisbrandmeister Bernhard Frei und seinem Team – flossen ebenfalls ein.

Veröffentlicht wird das Konzept nicht. „Es enthält detaillierte Darstellungen zu Führungsstrukturen, Kommunikationswegen, Einsatzabläufen und Ressourcen“, sagte Dörfler. Eine Veröffentlichung könne die Einsatzfähigkeit gefährden. Die Unterlagen gehen ausschließlich an Behörden und Organisationen, die im Ernstfall eingebunden sind.

Landrat Erny unterstrich dennoch das Ziel, offen zu kommunizieren: „Transparenz bleibt uns wichtig. Aber wir schützen unsere Bürgerinnen und Bürger am besten, wenn sensible Details zu Alarmwegen, Führungsstrukturen und Kommunikationslinien dort bleiben, wo sie hingehören: bei den Verantwortlichen im Einsatz.“

Foto: Kai Hockenjos/Ortenaukreis

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