[26.02.2026]
Ortenau. Wie viele Pflegeplätze braucht der Ortenaukreis in Zukunft – und wo wird es besonders eng? Der Sozialausschuss hat am Dienstag neue Bedarfseckwerte beschlossen, die bis 2040 als Leitplanke für die Pflegeplanung dienen sollen: für stationäre Dauerpflege, ganzjährig planbare Kurzzeitpflege und Tagespflege. Grundlage ist eine aktuelle Analyse des Kommunalverbands für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS), die eine datengestützte Fortschreibung der Pflegebedarfsplanung ermöglicht. Städte und Gemeinden im Kreis sowie Träger von Pflegeeinrichtungen sollen damit einen Orientierungsrahmen für ihre weiteren Planungen erhalten. Eine erneute Überprüfung ist in vier bis fünf Jahren vorgesehen.

Der Grund für die Fortschreibung ist klar: Die Bevölkerung wird älter – und damit steigt der Pflegebedarf. Prognosen zufolge werden im Jahr 2040 rund 29.500 Menschen im Ortenaukreis pflegebedürftig sein. Das entspricht einem Anstieg von rund 21,8 Prozent gegenüber dem Jahr 2023. Damit wächst der Handlungsdruck – zumal ein Problem schon heute den Alltag vieler Einrichtungen prägt: Fachkräfte sind knapp, der Mangel ist deutlich spürbar.

Besonders groß fällt der erwartete Mehrbedarf in der stationären Dauerpflege aus. Ausgehend von einem bisherigen Planungswert von 4.881 Plätzen für das Jahr 2030 wird für 2040 – je nach Berechnungsgrundlage – ein Bedarf zwischen 5.430 und 5.803 Plätzen prognostiziert. Der Sozialausschuss folgte dem Verwaltungsvorschlag und setzt einen Mittelwert von 5.617 Plätzen als Orientierungsgröße an.

Sozialdezernent Heiko Faller machte deutlich, dass es dabei nicht nur um Zahlen geht, sondern um Versorgungssicherheit: „Die demografische Entwicklung stellt uns vor große Herausforderungen. Wir müssen heute die richtigen Weichen stellen, um auch in Zukunft eine verlässliche und würdevolle Pflege im Ortenaukreis sicherzustellen. Gleichzeitig wissen wir, dass der Ausbau von Plätzen allein nicht ausreicht. Neben der Gewinnung der notwendigen Fachkräfte wird entscheidend sein, alternative und innovative Unterstützungs- und Betreuungsformen und tragfähige Strukturen vor Ort zu entwickeln und zu stärken.“

Auch die Kurzzeitpflege bleibt ein kritischer Punkt. Derzeit gibt es im Ortenaukreis 77 ganzjährig planbare Kurzzeitpflegeplätze, perspektivisch könnten in den kommenden Monaten weitere Plätze hinzukommen. Doch der Blick nach vorn zeigt eine große Lücke: Für 2040 wird ein Bedarf von 182 Plätzen angenommen. Gerade nach Krankenhausaufenthalten oder zur Entlastung pflegender Angehöriger spielt Kurzzeitpflege eine zentrale Rolle – und wird damit immer stärker nachgefragt.

In der Tagespflege ist die Ausgangslage etwas besser, aber auch hier ist Wachstum eingeplant: Aktuell bestehen 894 Plätze im Kreis. Für 2040 wird ein Mindestbedarf von 1.083 Plätzen angenommen.

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