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Haslach wünscht Matthais Hauer eine „Fixe Tippelei“ Drucken E-Mail

Haslacher Zimmergeselle geht 3 Jahre auf Wanderschaft

[16.08.2010]
Haslach (csa) 22 Jahre nach der Rückkehr seines Vaters Norbert Hauer in seine Heimatstadt Haslach, der ebenfalls unter dem Zeichen der Rolandsbrüder, einer der traditionsreichsten und ältesten Zünfte der reisenden Handwerksgesellen, unterwegs war, machte sich am vergangenen Samstag nun sein Sohn, Matthias Hauer als Zimmergeselle auf, diese „ lebendige Hochschule des Handwerks“ als Wandergeselle zu erkunden. Der Entschluss, seine Heimat für drei Jahre und einen Tag zu verlassen und als Rolandsbruder ein breites Bild seines Berufes zu erhalten und viel Erfahrungen zu sammeln, reifte in Matthias Hauer schon länger, im Frühjahr besuchte er einen „Gesellschaftspunkt“, eine Art institutionalisierten Stammtisch der Rolandsbrüder in Mannheim. Die Gespräche, die er dort führte, festigten seine Absicht und nun war es schließlich soweit. Am Samstag um 11.00 Uhr verließ Matthias Hauer zusammen mit Steffen Herold, seinem vereinbarten Lehrmeister in Sachen Wanderschaft nach einer Abschiedsfeier am Freitag im katholischen Pfarrheim, die heimischen Gefilde. Für drei Jahre und einen Tag wird er nach einer Probezeit, die Steffen Herold, der schon anderthalb Jahre auf Wanderschaft ist und Matthias Hauer einvernehmlich festlegen werden, Haslach nicht mehr wiedersehen und auch die dann geltende Bannmeile von 60 Kilometer rund um Haslach nicht betreten.

 

 
Bürgermeister Heinz Winkler (rechts) hatte die Ehre, den ersten Stempel in das Wanderbuch von Matthias Hauer links) zu setzen, Steffen Herold (Bildmitte) nimmt auch diese Zeremonie als erfahrenen „fremder Rolandsbrüder“ freudig gelassen.

 

Bereits am Freitag verabschiedeten sich die beiden bei Bürgermeister Heinz Winkler im Rathaus. Das Zehrgeld, das Winkler beiden übergab, wanderte flugs in der Tasche von Matthias Hauer. „Der jüngste verwaltet die Reisekasse, so will es die Tradition“, stellte Steffen Herold lakonisch fest. Überhaupt sind Sprache und Riten der Bruderschaft, die auch Frauen aufnimmt, eine Sache, in die man als Fremder kaum Einblick hat. So bezeichnet sich Herold als „fremder Rolandsbruder“ zur Unterscheidung der sesshaft gewordenen Mitglieder des „Rolandschachts“, wie der offizielle Name der Vereinigung lautet. Bis zur Verpflichtung hat Hauer eine „Aspirantenzeit“, in der seine Mitbrüder ihm alles Wichtige in Sachen Rolandschacht und Wanderschaft beibringen werden. Erst dann erhält er die „blaue Ehrbarkeit“, eine schmale Zunftkrawatte als Signal der Zugehörigkeit. Solange hat er auch noch ein vorläufiges Wanderbuch, das erst zu jenem Zeitpunkt in ein offizielles umgewandelt werden wird. Gestempelt wurden indessen beide auf dem Haslacher Rathaus, das offizielle Steffen Herolds ebenso wie das vorläufige des „Aspiranten“. Zwar darf Hauer nunmehr die Bannmeile für lange Zeit nicht mehr betreten, doch Kommunikation findet dennoch statt: Internetforen und E-Mails sind ebenso gängige Kommunikationsmittel wie das „Gästebuch“, bei dem Handwerksmeister im Internet aufzeigen, dass sie Arbeit für die Wanderburschen haben. Der Rolandschacht nimmt außer Zimmerleuten auch Maurer, Steinsetzer, Schreiner und Dachdecker auf, auch verwandte Berufsfelder sind nicht unwillkommen, so lernte Herold auch schon Fliesenleger in der Zunft kennen. Das Lernen und die Lebenserfahrung stehen im Vordergrund der Wanderzeit, Herold berichtete von einem seiner letzten Arbeitgeber in Südbaden, wo er beim Bau eines Strohhauses mitwirken konnte, einer Technik, die er aus seiner Heimatstadt „Oldenburg in Oldenburg“ noch nicht kannte. Während Hauer noch einen Schlapphut trägt als Symbol des Neulings, der die Erde noch unerkundet flach erkennt, haben einjährige oft einen Bowler auf zum Zeichen, dass sei nun ein gutes Stückchen des Erdenrunds kennen und der Zylinder der dreijährigen Brüder kann sogar darauf verweisen, dass man nun auf Brautschau sei. Solch traditionsschwangeren Geschichten stehen ebenso moderne wie profane Grundlagen der „Tippelei“, wie die Wanderschaft in der Sprache der Wanderburschen heißt, gegenüber: „Selbstverständlich sind wir krankenversichert und zwar zum preiswerten Studententarif,“ erklärt Herold, der extra für diesen Zweck ein Konto unterhält, auf dass er seinen Lohn von den verschiedenen Arbeitsstellen einzahlt.

Während Matthais Hauer also einiges über die Gepflogenheiten und Bräuche der „fremden Rolandsbrüder“ zu lernen hat, konnte  Bürgermeister Heinz Winkler sein neuerworbenes Wissen gleich anwenden, indem er die beiden mit dem guten Reisewunsch der Brüderschaft verabschiedete, der nicht „Glückauf“ oder gar „Gut Holz“ lautet („Alles schon gehört, aber völlig falsch“, so Herold), sondern mit einem „Fixe Tippelei“, wofür sich die Wanderburschen mit einem „fix bedankt“ ebenso korrekt bedankten und verabschiedeten.

 
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